Wie kann etwas, das den doch unschönen Namen 3,7-Dihydro-1,3,7-trimethylpurin-2,6-dion trägt, die verwirrende Summenformel C8H10N4O2 besitzt und mit farblose, geruchlose, bitter schmeckende Kristalle beschrieben wird, so gut schmecken? Tja, der Grund dafür liegt wahrscheinlich daran, dass sich diese Beschreibungen nur auf Koffein beziehen, das widerum ein Bestandteil des Kaffes ist... und wenn man bedenkt, dass 1999 andere Bestandteile zum Gesamterlebnis "Kaffee" betreigen, ist oben Gefragtes nicht weiter verwunderlich. Genauere Aufzählungen spar ich mir aber jetzt. Ich denke, es sollte reichen, wenn man weiß, dass es sich um Säuren, Öle, ca. 800 Aromastoffe (je nach Sorte), Wasser, Mineralstoffe und Spurenelemente (wie Kalium, Kalzium, Magnesium und Phosphor) handelt. Weiters sind noch einige lösliche und unlösliche Kohlenhydrate drin, wobei letztere dann als Kaffeesatz zurückbleiben. Kurzer Tipp: Nein, man kann nichts, aber auch garnichts im Kaffesatz lesen! Alles Andere halte ich für ein Gerücht.
Vorkommen
Zurück zum Ursprung. Liebe Stadtbewohner! Kaffee wächst nicht vakuumverschweißt im Supermark, sondern auf Kaffeepflanzen (botanische Gattung Coffea aus der Familie Rubiaceae) aus den tropischen Regionen der Erde. Der Reihe nach: Brasilien, Vietnam, Indonesien, Kolumbien, Mexiko, Indien, Äthiopien, Guatemala, Honduras und Uganda.

Ursprünglich werden die aus Afrika stammenden Arten C. arabica (Arabica-Kaffee, 60% Weltmarktanteil), und C. canephora (Robusta-Kaffee, 36% Weltmarktanteil) und in geringem Maße auch C. liberica bzw. C. excelsa (1% Weltmarktanteil) verwendet. Aus persönlichen Erfahrungen kann ich behaupten, dass es in unseren Breiten extrem schwierig ist, sich soeine Pflanze zu halten (obwohl ich zugeben muss nicht gerade einen grünen Damen zu besitzen). Die Pfanzen werden einmal, in manchen Gebieten auch zweimal im Jahr von Hand geerntet.
Die Aufbereitung
Für den Fall, dass Sie sich Ihr eigenes Kilogramm Rohkaffee ernten wollen, würden Sie dazu durchschnittliche 0,6 Kaffeesträucher brauchen. Danach müßten Sie freilich von den geerteten Kaffeekirschen die die Fruchthaut, das Fruchtfleich (auch Pulpe genannt), der auf dem Pergamenthäutchen befindliche Schleim, das Pergamenthäutchen und - soweit möglich – auch das Silberhäutchen entfernen. Dieser Prozeß nennt sich dann - je nach dem - Naßaufbereitung oder Trockenaufbereitung, wobei die Naßaufbereitung Kaffee höherer Qualität liefert. Da diese aber pro Kilogramm Marktfertigen Kaffees ca. 150 Liter Wasser benötigt, ist sie dementsprechend selten. Danach müssen die Bohnen noch geröstet werden, das ist sehr wichtig, weil sonst schmeckt der daraus gebrühte Kaffee nämlich nach genau garnichts. Ergo: Mit Variationen des Röstvorgangs lässt sich der Geschmack steuern, ausschlaggebend dafür sind Dauer und Temperatur.
Mit einer stärkeren Röstung kann man die Charakteristik betonen, der Kaffee schmeckt würziger, karamelisierter, stärker und eventuell auch schärfer. Mit einem helleren Röstgrad betont man eher die Breite des Aromas und man erhält einen vollmundigen Kaffee. Fachleute sprechen von der hellen Zimt-Röstung (blond), über die mittlere/amerikanische Röstung (Berstein), der Starken-, Hellen französischen- bzw. Wiener -Röstung (Mönchskutte), der doppelten-, Continental- bzw. französischen Röstung und der italienischen Röstung (fast schwarz). Aber auch hier kommt es jeweils auf die Sorte darauf an, so schmeck z.B. der Kenia runder und harmonischer wenn man ihn lange röstet, bei kurzer Röstung hingegen tritt sein einzigartiger Charakter stärker hervor. Geröstet wird normalerweise erst im Verbraucherland, um die Qualität zu gewährleisten. In Spanien ist es im Übrigen auch gebräuchlich der Röstung Zucker beizumengen, das ganze nennt sich dann torrefacto (spanisch für rösten). Für eine spanische mezcla 70/30 (Mischung) benötigt man also 70 % tueste natural (konventionell geröstet) und 30 % café torrefacto.
Die Wirkung
Kommen wir nun zum angenehmen Teil: die Wirkung. Natürlich kommt es hier auf die "eingenommene" Koffeinmenge an, wobei Filterkaffee die, bei weitem, höchste Konzentration aufweist - über den Geschmack sollte man streiten. Um wiedermal ein paar Zahlen in die Zeilen zu werfen, beinhaltet eine Tasse mit 125 ml Filterkaffee ca. 80–120 mg Koffein, welches u.a. die Wirkung des schlaffördernden Botenstoffes Adenosin behindert. Aufgrund dieser Tatsache, sagen manche Wissenschaftler den Kaffee eine antidepressive Wirkung nach... weiß nicht, kann das mal wer bestätigen? Aber zunächst einmal wird man müde, weil das Schlafzentrum im Gehirn besser durchblutet wird. Die aufputschende Wirkung tritt erst ungefähr 15 Minuten nach dem Verzehr ein. In Krankenhäusern soll Kaffee angeblich gezielt eingesetzt werden um bei älteren Menschen die Schlafqualität zu erhöhen, weil er verhindert dass die Atemfrequenz beim Einschlafen sinkt. Laut einer Studie der Fachzeitschrift Sleep wird die aufmunternde und konzentrationsfördernde Wirkung verstärkt, wenn man den Kaffe in kleinen Schlucken, über den Tag verteilt trinkt (anstatt einer großen Tasse in der Früh). Hm, da fragt sich meiner einer... warum nicht über den Tag verteilt viele, viele, große Tassen?! Kaffee als Energiespender ist übrigens mittels MRT nachgewiesen. Insbesondere sind die Hirnareale Frontallobus und der vordere Cingulum aktiv (in denen angeblich das Kurzzeitgedächtnis sitzt).
Im Nationalen Krebs-Zentrums in Tokyo hat man herausgefunden, dass von 100.000 Kaffeetrinkern statistisch nur 214 Personen an Nierenkrebs erkranken, von den Nicht-Kaffeetrinkern hingegen 547. Unseriöse Quellen berichten, Kaffee gelte auch als Aphrodisiakum. Der Forscher Amantea fand 1923 jedenfalls in einem Humanexperiment heraus, dass Koffein nicht nur die Lust am Geschlechtsverkehr steigerte, sondern auch den Orgasmus verstärkte und die Menge des Ejakulats erhöhte. Es liegt mir fern dies nachzuprüfen.
Auch Spinnen haben sich als ausgesprochene Kaffeeliebhaben herausgestellt. So vergaßen, die von der NASA unter Koffeineinfluss gesetzten Spinnen, ganz elementare Tätigkeiten, wie das Häuslbauen.
Die ersten Kaffehäuser in Europa
Nach der Eroberung Ägyptens durch Sultan Selim (1517) soll Kaffee ermals in Europa aufgetaucht sein. Das erste europäische Kaffeehaus wurde 1554, nach heftiger Opposition von islamischem Klerus und Staat, in Istanbul eröffnet. Danach folgte Venedig (1647), 1650 Oxford und 1652 London mit dem Virginia Coffee-House. Die ersten Cafés dienten übrigens Börsenmännern und Geschaftsleuten als wichtiger Treffpunkt.
Die ältesten heute noch bestehenden Kaffeehäuser sind angeblich das Café Procope in Paris und das Café Zum Arabischen Coffebaum in Leipzig. Das erste Wiener Kaffeehausmit wurde mit den Beständen gegründet, die die Türken bei ihrer zweiten Belagerung übrigließen (1683).
Aber nicht nur die Geschäftsleute hatten ihre Kaffeehäuser, es gab ebenso Stammcafés für Literaten und Künstler. In Frankreich entstand aus den so genannten Cafés concerts (auch Caf´ conc´ genannt) eine neue Unterhaltung für das Mittel- und Kleinbürgertum.
In letzter Zeit sind die niederländischen Coffee Shops auch immer bekannter geworden. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie eine "geduldete Verkaufsstelle weicher Drogen" sind - hier ist entweder der Betreiber des Coffeeshops der Dealer oder es gibt einen Hausdealer, der quasi das Monopol des Verkaufs hat. Solche Einrichtungen gibt es, nebenbei bemerkt auch in Kanada und der Schweiz. Ob man umbedingt einen Joint zum Kaffee braucht soll jeder für sich entscheiden, die guten, alten Hustenstäbchen meiner Meinung nach schon, (Frau Minister!).

